Moritz erzählt

Hallo zusammen,
endlich darf ich auch mal zu Wort kommen - hat ja auch lang genug gedauert!

Aber natürlich will ich mich erstmal vorstellen:
Ich heiße Moritz, bin ein stattliches, beigefarbenes Rosettenmeerschwein und inzwischen schon fast 5 Jahre alt. Wie dem folgenden Foto zu entnehmen ist, sehe ich blendend aus und bin der Schwarm aller Damen.

“Müsst Ihr mich eigentlich immer beim Fressen fotografieren? Ich hasse diese Paparazzi!”

In zartem Alter von geschätzten 6 Wochen bin ich damals mit meinem Kumpel Max hier bei meinen Leuten eingezogen. Max und ich führten ein recht beschauliches Leben - viel schlafen und noch mehr fressen. Unser Lebensmotto war stets: wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Selbst bei schönem Wetter und in einem großen Freigehege bewegten wir uns nur wenig. Das Gras im Unterschlupf wegfressen, möglichst ungesehen zum nächsten Unterschlupf schleichen, wieder fressen, usw. - das war unsere täglich Beschäftigung. Unser Frauchen hat netterweise die Unterstände häufig verstellt, so dass wir uns wirklich nur dem Fressen widmen konnten. Meiner Meinung haben wir dadurch aber dem Herrn des Hauses immer tatkräftig bei der Instandhaltung des Rasens geholfen - ohne uns hätte der doch viel mehr mähen müssen!!!
Der Boss von uns Beiden war natürlich ich, da Max der Kleinere war. Ich habe ihm schon gleich gezeigt, wie der Hase läuft. Leider wurde Max in diesem Frühjahr (2010) sehr krank und irgendwann kam er nicht mehr wieder. Jetzt hatte ich alles Fressen für mich ganz allein und konnte mich völlig aufs Faulenzen beschränken. Ich musste nun ja keine Angst mehr haben, dass mir jemand etwas wegfrisst. Dieser Zustand war natürlich nicht lange erstrebenswert, denn mir wurde dann doch irgendwann langweilig.

Eines Tages musste ich dann zum Tierarzt. Da musste ich vorher noch nie hin und so war ich völlig naiv und unvoreingenommen. Blöd von mir, denn ich wurde operiert! Viel schlimmer, entmannt haben die mich! Meine Leute haben gesagt, das müsse sein, weil ich bald nicht mehr alleine sein und ein Mädchen (freu!) zu mir ziehen soll. Die haben trotzdem gut reden - denen hat ja auch niemand an den wertvollsten Teilen herum geschnippelt! Der Tierarzt sagte, ich müsste zum Fäden ziehen vielleicht nicht mehr wieder kommen, da die meisten Meerschweinböcke sich die allein rausziehen. Ja ist denn der verrückt!? Ich rupfe doch nicht an meiner empfindlichsten Stelle rum! Nachher ziehe ich mir da was Falsches bzw. etwas, das Mann noch dringend braucht. Jedenfalls habe ich die Tage nach meiner Kastration (so heißt das wohl) bis zum Fäden ziehen im wahrsten Sinne des Wortes abgesessen. Nur nicht bewegen, nur nicht hingucken, nachher geht noch was kaputt! Meine Fäden saßen noch genau so, wie der Tierarzt sie gesetzt hatte.

Nach 6 endlosen und einsamen Wochen kamen meine Leute dann mit 2 Meerschweinmädchen an: Mellie und Macy. Mellie war 4 Monate alt und sehr schüchtern. Und Macy - ja wie soll ich die bloß beschreiben?
“Chaos” fällt mir da als Erstes ein, “vorbei mit der Ruhe” gleich danach. Und mein Chefsessel ist natürlich auch futsch :-(  Macy ist einfach überall! Nie habe ich Zeit für Mußestunden und das Fressen ist auch immer gleich weg. Und sie kommt mir immer hinterher! Eine echte Klette! Wenn sie mich nicht sieht, bricht sie in erbarmungswürdiges Quieken aus. Aber man muss sie einfach gern haben und so bin ich zum Ersatzpapa geworden. Mellie war leider nur 6 Tage bei uns. Sie war auf einmal an den Hinterbeinen gelähmt und ist innerhalb von Minuten verstorben. Das war nun schon der 2. Schock in meinem bis dato ruhigen Leben.

Da ich aber allein mit Macy überfordert gewesen wäre, durfte Maddy zu uns ziehen. Sie sieht Mellie zum Verwechseln ähnlich, ist nur kleiner. Maddy ist ebenfalls sehr schüchtern, wahrscheinlich, weil Macy ihr gleich wieder zeigen musste, dass hier der kleinste Keks der Chef ist.

Irgendwie bin ich aber ganz zufrieden. Ich habe wieder mehr Spaß am Herumlaufen und in unserer 3 Etagen Villa war ich sogar schon ganz oben :-) Maddy und Macy lassen mich inzwischen auch mal in Ruhe, weil sie zusammen herumflitzen.

Es gibt auch bald wieder etwas Neues für uns. Unsere 0-8-15 Käfige sollen weg. Statt dessen bekommen wir einen großen Stall aus Holz. Mal sehen, zu was sich unser Baumeister da wieder hinreißen lässt. Einfach mal quadratisch, praktisch, gut, gibt’s bei dem nicht. Ich werde wieder berichten.

Liebe Grüße, Euer Moritz

Lonsheim, 01.06.2010



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Aktualisiert:
Dienstag, 1. Juni 2010